Nicoles Sehnsucht

Von der Skizze zum Brunnen zum Platz zur Nachbarschaft

Nicole Eisenmans Freude am eigenen Werk war unvermittelt, herzlich und überraschend, denn nicht die Skulptur als Beitrag zur Großveranstaltung war offenbar ihr Herzenswunsch, sondern der Brunnen als Ort  von Picknick, Pause und Spiel. Vor Kunstfreunden in Aspen hatte die New Yorker Künstlerin ihr Projekt „Sketch for a Fountain“ noch einmal von der ersten Radtour mit Kaspar König bis zum langsamen Verfall der Gipsfiguren erläutert: „I think of all the shows this was probably the most gratifying experience in doing anything in the art world. (…) I designed it for the neighbours in Münster. Ten kids in the fountain, that felt like the perfect day. It was so joyful.”

 

Zehn Kinder im Brunnen und ein heiterer Tag mit und durch die Kunst, wenn das kein Grund ist dieses Werk wieder an seinen Platz zu bringen ! Aber Eisenmans Auseinandersetzung mit dem Ort ging noch weiter: die vom Sonnenlicht beschienene Büste Annette von Droste-Hülshoffs im Böschungshain der Kreuzschanze erschien ihr als „Guardian Angel“.

 

In der Tat, wer sich mit dem Kunstwerk befasst, schaut auch neu auf diesen Ort und siehe da, neben der bekannten Annette taucht Julius Otto Grimm auf. Mit den Professorenbrüdern und Märchensammlern hatte er nichts zu tun, aber als Komponist und Dirigent war er bis 1903 eine feste Größe im Kulturleben der Stadt – Freund von Brahms und Kritiker Wagners. Wer nun weiter flaniert findet schließlich ein dritte Stele mit steinerner Eule im Stil der 60er Jahre und dem eingemeißelten Wort „Altum“, keine Erläuterung, kein Schild, kein Hinweis, nur ein vertiefter, steinerner Kranz am Fuß der Säule - ein Denkmal für einen Uhu? Gar nicht so weit gefehlt, die Skulptur erinnert an Johann Bernard Theodor Altum, bedeutender Ornithologe aus Münster und Zeitgenosse Grimms.  Der verwirrende Kranz – so freundlich kann Münster sein – ist eine Vogeltränke.

 

Das ist doch wirklich wunderbare Nachbarschaft: ein große Dichterin, ein Komponist und ein Vogelfreund. Wäre es da nicht Zeit, ein Zeichen im 21. Jahrhundert zu setzen und den künstlerischen und fortschrittlichen Geist der Stadt erneut oder neu zu beweisen? Unter dem Schutzengel Annette von Droste-Hülshoff könnten wir dann den Platz und die moderne Kunst für uns neu entdecken. Das wäre - wie Nicole Eisenman das Projekt für sich empfand -  „heartening“, „ermutigend“.

 

Eine schöne Idee den berühmten Ornithologen Bernhard Theodor Altum, nicht mit einer Büste sondern mit einem Uhu zu ehren - auch Kunst!

Annette von Droste-Hülshoff, Dichterin und Schutzengel für den „Sketch for a fountain“

Julius Otto Grimm - an der Kreuzschanze Annette von Droste-Hülshoff zugewandt - die aber nur Augen für den von ihr und uns imaginierten Brunnen hat